
TSV Arminia Vöhrum e. V.
Von der Turnerriege zum Großverein
Zahlen und Daten
Am 10. Mai 1898 beschlossen 14 sportbegeisterte Männer den „Turnerbund Vöhrum“ laut Verzeichnis vom 20.Mai 1900 zu gründen. Die erste konstituierende Versammlung fand am 17. Juni 1898 (dies ist auch das Gründungsdatum) statt. Als Vereinsabzeichen wurde ein einfaches weiß-rotes Band und als Kopfbedeckung eine Mütze gewählt. Der damalige Präsident war Hermann Hansen. Für die Leibesübungen schaffte der Turnerbund (TB) zu Beginn einen Barrenmit Springgerät und Ringen sowie eine Springmatte, Hanteln und ein Pferd an. Später kamen ein Reck, eine Kokosmatte, zwei Sprungständer mit Leine, eine dreißig Pfund schwere Kugel und „vierzig Stück unterlangen Eisenstäbe“ hinzu.
Am 21. März 1900 beschloss der Turnerbund dem Turngau Leine-Weser beizutreten und nahm das Statut des Bezirks-Turn-Verbandes von Peine u. U. in der Fassung vom 1.12.1895 als Ordnung an. Am Anfang des Jahres 1903 wurde eine „Zöglings- und Altersriege“ gegründet.
Im Frühjahr 1904 wurde eine Fahne angeschafft, die zum Pfingstfest geweiht wurde. Sie erhielt folgende Inschrift: Frisch, fromm, froh, frei – Der alten Deutschen Mut und Kraft, lebt fort in unserer Turnerschaft (Vorderseite); Goldstickerei auf rotem Grund: Dem Turnerbund-Vöhrum, Gewidmet von den hiesigen Jungfrauen 1904.
Die erste Turnzeitung wurde 1905 herausgegeben.
An einem Sonntag (20. Juni 1912) kam es zur Gründung einer Fußballmannschaft im Turnerbund und im Herbst 1912 trat der Verein der „Ländlichen Fußballvereinigung von 1912-Peine“ bei.
1914 wurde ein Trommler- und Pfeifenkorps im Turnerbund gegründet, der dann Anfang Juli am 10-jährigen Walzwerkerfest teilnahm.
Es folgten die Kriegsjahre.
Die erste Versammlung des Turnerbundes nach dem Kriege fand am 2. Februar 1919 statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 60 Mitglieder. Im März 1919 schloss sich allerdings eine Gruppe von 25 Fußballspielern zum „Fußballclub Armenia Vöhrum“ zusammen. Die Vereinsfarben waren blau-weiß. Mit anderen Vereinen schloss sich der Club zum neuen „Ländlichen Fußballverband von 1919“ zusammen. Die Mitgliederzahl wuchs ständig und hatte Mitte des Jahres 1920 bereits die Zahl 62 erreicht, während die Zahl der Turner rückläufig war. In der Sitzung vom 5. Juni 1920 beschloss der Turnerbund, sich mit dem Sportverein zu verschmelzen, dies wurde am 22. Juni 1921 in die Tat umgesetzt und erhielt den Namen „Turn- und Sportvereinigung Arminia Vöhrum“. Nach der Fusion trat das Turnen immer mehr in den Hintergrund, denn das Interesse fast aller galt dem Fußball. Die Mitglieder beteiligten sich teilweise bei leichtathletischen Veranstaltungen und spielten, schon traditionell, jährlich einmal Theater. Mitte des Jahres 1926 beschloss die Versammlung, verstärkt wieder an Sportfesten mit „Leichtathletischen Übungen“ teilzunehmen.
Am 7. November 1926 wurde die seit längerem in Aussicht gestellte Aufstellung einer Damenriege beschlossen, und mit einer entsprechenden Satzungsänderung am 1. Januar 1927 erfolgte die Aufnahme im Verein. Die verstärkte Förderung der Leichtathletik führte im Sommer 1927 zu den ersten Erwerbern des „Deutschen Turn- und Sport-Abzeichens“.
Anlässlich des 30jährigen Bestehens des Vereins fand am 2. September 1928 das „Verbandssportfest des Verbandes der ländlichen Turnvereine des Kreises Peine und Umgebung“ in Vöhrum statt. Seit dem fanden jährlich Vereinsmeisterschaften in leichtathletischen Übungen statt.
Ende 1927 erhielt der Verein von der Gemeinde vier Morgen Land für eine eigene Platzanlage. In Eigenarbeit entstand in den Jahren 1928 und 29 ein neuer Sportplatz auf dem heutigen Gelände am Hainwaldweg, der am Karfreitag (29.03.29) mit einem Spiel gegen den VfB Peine eingeweiht wurde.
In das Jahr 1929 fällt auch die Dichtung des Vereinsliedes „Blau und weiß ist unser Farbe…“, welches auf der Versammlung am 10. August erstmalig gesungen wurde.
Um Kosten zu sparen, trat der Verein aus dem Verband ländlicher Turnvereine 1930 aus. Von 1931 an sank die Mitgliederzahl, wie in vielen Vereinen, infolge der aufkommenden Arbeitslosigkeit und da sich viele der Arbeitersportbewegung anschlossen. Im Jahre 1933 wurde diese gänzlich verboten, und so kehrten einige Sportler zum TSV Arminia Vöhrum zurück. Die Mitgliederzahl stieg wieder an. Das Turnen wurde wieder vernachlässigt zugunsten des Fußballspielens und teilweise der Leichtathletik. Im Rahmen der Gleichschaltung aller Sportverbände kam es am 24. Mai 1933 zum Zwangszusammenschluss „Reichsbund für Leibesübungen“.
Von 1936 an gingen viele Sportler in den Polizeidienst und in die Reichswehreinheiten und standen dem Verein nicht mehr zur Verfügung. Ab 1937 musste jeder Jugendliche, der nicht der HJ angehörte, den Verein verlassen. Vom 1. September an wurde das Tragen des Reichsbund-Abzeichens auf dem Sportdress Pflicht.
Dann folgten die Kriegsjahre.
Ende des Jahres 1945 durften laut eines Schreibens von der Bezirksregierung die Vereine ihren alten Namen nicht wieder tragen. Daraufhin wurde am 15. November in der Generalversammlung der neue Name „Blau-Weiß Vöhrum“ beschlossen und der Sportbetrieb wurde wieder aufgenommen. Zum Jahresende 1946 schickte die Militärregierung Fragebögen an die „zuverlässigen Vereinsvertreter“. U. a. musste der alte und der gewünschte neue Vereinsname angegeben werden. Schlitzohrig trug der damalige Vorsitzende Karl Lütgerdingals alten Namen „Blau-Weiß Vöhrum“ und als Wunschnamen „Turn- und Sportverein Arminia Vöhrum“ ein. Seitdem führt der Verein bis heute diesen Namen.
Auf schriftlichen Antrag beschließt die Versammlung des TSV am 6. Juni 1947 eine Boxabteilung aufzustellen. Die Boxer finanzierten die Anschaffung der Geräte sowie die Veranstaltungen und durften daher ein eigenes Kassenbuch führen. Das Boxen wurde im Laufe des Jahres 1950 wieder eingestellt.
Das Jahr 1948 war besonders geprägt durch die Veranstaltungen (z. B. am 13. Juni Kreisgruppenwettkämpfe in der Leichtathletik, mit Turnvorführungen und Auswahlspielen im Fußball und Handball) anlässlich des 50-jährigen Stiftungsfestes des Vereins, welches am 8. August mit Erfolg gefeiert wurde, denn alle Aktiven boten den vielen hundert Zuschauern Ausschnitte aus der Vielseitigkeit des Breitensports unseres Vereins. Dem Verein gehörten zum Jahresende 274 Mitglieder an, davon waren 130 in der Turnabteilung, die damit zur stärksten Abteilung des Vereins wurde.
Auf einer außerordentlichen Generalversammlung wurde am 10. Oktober 1952 beschlossen, einen Antrag auf Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Peine zu stellen. Den Mitgliedern wurde ein Satzungsentwurf vorgelegt, der einstimmig angenommen wurde. Die Eintragung erfolgte allerdings erst am 15. Juni 1954, da die Satzung erst mit dem Kreisportbund abgestimmt werden musste.
Die Gemeinde Vöhrum hatte 1952 den gesamten Landstreifen hinter dem Sport- und Festplatz am Hainwaldweg gekauft und bot dem TSV 1953 an, den Sportplatz zu verlegen. Dies war schon seit Jahren der Wunsch des Vereins. Die Erweiterung erfolgte durch Eigenarbeit der Vereinsmitglieder. Am Bau waren zu etwa 60 Prozent die Vorstands- und einige wenige ältere Mitglieder beteiligt. Die Arbeiten des ersten Hauptbauabschnittes zogen sich über drei Jahre bis Mitte 1956 hin. Der zweiteBauabschnitt (Umziehräume), am 3. Juni 1956 von der Versammlung genehmigt, wurde vom Vorstand solange zurückgestellt, bis die Beteiligung am Bau besser wurde. Im September 1959 wurde über eine Flutlichtanlage diskutiert. Die Anlage wurde am Hainwaldweg erstellt und Anfang 1960 eingeweiht.
Zum Abschluss des Jahres 1955 wurde am 13. Dezember eine Tischtennis-Abteilung gegründet. Für Bälle und Schläger hatte jedes Mitglied selbst zu sorgen, eine Tischtennisplatte kaufte der Verein, die restlichen Platten wurden bei Wettkämpfen ausgeliehen. In Ermangelung geeigneter Übungsmöglichkeiten mussten im Frühjahr 1959 die Mannschaften zurückgezogen werden.
Anfang 1962 wurde die neu errichtete Turnhalle am Hainwaldweg von der Gemeinde Vöhrum zu außerschulischer Nutzung für den TSV Arminia Vöhrum freigegeben. Dies führte zur Wiederbelebung der Turnbewegung im Verein. Dank einer großzügigen Spende konnten neue Turn- und Gymnastikgeräte angeschafft werden. Ziel der Turnabteilung wurde für die nächsten Jahre, die Breitenarbeit zu intensivieren. So kam es am 13. Februar 1966 zur ersten Sportschau Arminia’s, die in der Gunzelinhalle in Peine stattfand.
Das von der Gemeinde Vöhrum 1963 geplante Dorfgemeinschaftshaus wurde Anfang 1967 mit dem vom TSV lang ersehnten Sporttrakt fertig gestellt. Dieser wurde, wie versprochen, dem Verein zur Nutzung überlassen. Doch durch den Bau des DGH gab es Schwierigkeiten während der Schützenfeste, da zu dieser Zeit der Sportplatz fast ganz belegt wurde. Dies führte 1969 dazu, dass der A-Platz mit neuer Flutlichtanlage an die heutige Stelle verlegt wurde. Dies geschah in Eigenarbeit der Mitglieder.
„Mit Management zum Großverein“ hieß die Devise in den 70er Jahren unter dem Vorsitz von Wolfgang Behrens. Verfahrenstechnische Dinge wurden klar geregelt. Als Anschrift des Vereins galt ab 1976 nur noch das Postfach 50 08 in Vöhrum, private Anschriften für Vereinssport hatten keine Gültigkeit mehr. Das Arminen-Echo, eine illustrierte Vereinszeitung am 29. August 1970 als Versuch gestartet, wurde als ständig jährlich vor der Jahresversammlung erscheinendes Organ geschaffen und an alle Mitglieder kostenlos verteilt. Es enthielt die Berichte der Abteilungen, die somit nicht mehr der Versammlung vorgetragen werden musste. Folgende Satzungsänderungen wurden auf der Jahresversammlung vom 25. Januar 1972 beschlossen: 1. Zur Versammlung wird nicht mehr schriftlich eingeladen, sondern durch amtliche Bekanntmachungen in der örtlichen Presse sowie durch Aushang im Vereinskasten. 2. Die Wahl des gesamten Vorstandes, der Kassenprüfer und der Ehrenratsmitglieder wird nur noch alle zwei Jahre durchgeführt, die Jahreshauptversammlungen finden allerdings jährlich statt. Gleichzeitig wird das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr gleichgesetzt.
Die Mitglieder wurden nun per EDV erfasst. Dadurch entfiel das Einkassieren der Beiträge, die nun per Bankeinzug auf das Vereinskonto eingezahlt wurden. Das bisherige Kassenbuch wurde abgelöst und durch die Kontenbuchführung per EDV ersetzt. Die Abteilungsleiter (früher Obleute) mussten künftig Haushaltsvorschläge erarbeiten, die im erweiterten Vorstand bei der Verteilung des Jahresbudgets berücksichtigt wurden.
Das 75-jährige Bestehen des Vereins 1973 wurde mit einem Spiel der ersten Herren-Fußballmannschaft gegen die komplette Bundesliga-Elf von Eintracht Braunschweig am
16. Januar eröffnet. Als Dankeschön des Turnerbundes fand der Gauturntag mit Festumzug in Vöhrum statt. Offiziell wurde das Jubiläum am 6. Juli im Dorfgemeinschaftshaus gefeiert.
Am 6. Februar 1977 wurde erstmalig ein Kinderkarneval ausgerichtet, der inzwischen zur festen jährlichen Einrichtung für die jungen Arminen wurde. In den Jahren 1976 bis 1979 stieg die Mitgliederzahl um fast 50 Prozent. Arminia entwickelte sich zum Breitensportverein.
Dadurch war der Verein gezwungen, in den folgenden Jahren nach und nach auch auf Hallen in der Kernstadt auszuweichen. Hierbei war das Schulamt im Rahmen seiner Möglichkeiten stets hilfreich. Das Jahr 1978 wurde mit der Erarbeitung einer neuen zeitgemäßen Satzung im erweiterten Vorstand begonnen, die am 19. Juni auf einer außerordentlichen Versammlung einstimmig angenommen wurde und zum Ende des Jahres nach Prüfung des Amtsgerichts genehmigt. Fortan wurde ein(e) Geschäftsführer(in) anstelle eines Schriftführers im Vorstand eingesetzt und bezahlt. Dies entsprach der Größe und den Aufgaben des Vereins. Der Ortsrat stellte dem TSV das ehemalige Ortsbürgermeisterzimmer im alten Rathaus als Geschäftszimmer zur Verfügung.
Und der Verein wuchs weiter. Mit der Fertigstellung der Sporthalle am Berufsbildungs-zentrum (BBZ) in Vöhrum in 1980 konnte die Turnabteilung einige Probleme in der Durchführung der Übungsstunden lösen und 1981 dank der neuen Halle eine Trampolin-Gruppe gründen, die bereits im Oktober 1983 Ausrichter der Niedersächsischen Landesmeisterschaften im Trampolinturnen war und aufgrund guter Referenzen den Zuschlag erhielt, am 5. und 6. Mai 1984 die Deutschen Meisterschaften in der Halle am BBZ durchzuführen. Weitere sportliche Erfolge konnte der TSV Armina Vöhrum 1983 mit dem Langstreckenläufer Joachim Thiemann vorweisen. Er wurde bei den Welt-Veteranen-Spielen in Puerto Rico Weltmeister im Marathon-Lauf.
Am 3. Januar 1982 veranstaltete der TSV Arminia erstmalig mit allen Abteilungen eine Sportschau und präsentierte sich von der Zeit an im Zwei-Jahresrythmus der breiten Öffentlichkeit. 1983 wurde mit der Gründung einer Tennisabteilung die Lücke im Sportangebot geschlossen. Anfangs wurde zunächst in der Tennishalle in Hämelerwald gespielt, doch ab Juli 1987 wurden fünf Tennisplätze an der Posener Straße in Eigenarbeit erstellt und am 30. April 1988 mit einem symbolischen Schlüssel feierlich eingeweiht. 1994 erhielt die Anlage einen sechsten Tennisplatz.
Mit dem Bau des Stadions am BBZ erhielt die Leichtathletikabteilung im Juli 1985 die Möglichkeit, die Anlage für ihre Spitzensportler zu nutzen. Dies führte zum Anwachsen der Abteilung. Später wurde Vöhrum, dank der guten Leistungen ihrer Sportler, zum Leicht-athletikstützpunkt. Eine Triathlon-Gruppe bildete sich aus einigen Leichtathleten, die 1988 eine eigene Abteilung innerhalb des Vereins wurde und in dem Jahr Ausrichter der Niedersächsischen Jugendmeisterschaft im Triathlon am Eixer See war.
Im Jahr 1988, der TSV Armina Vöhrum konnte auf 90 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken, wurde am 23. April der Grundstein für das Sporthaus – ein lang ersehnter Wunsch der Arminen – gemeinsam mit der Schützengilde gelegt. Am 10. November 1990 konnte nach acht Tausend Stunden Eigenarbeit von vierhundert Vereinsmitgliederndas Sporthaus an der Posener Straße eingeweiht werden.
Sportlicher Höhepunkt in hundert Jahren Vereinsgeschichte war am 30. April 1997 die Ausrichtung des U 16 – Europameisterschaftsspiels Israel gegen Nordirland, das im BBZ-Stadion vor zirka drei Tausend Zuschauern stattfand.
letzte Aktualisierung: 30.04.2006